SAISON 2: KI KURZSCHLIESSEN!

Drei KURZE Gründe gegen den derzeitigen Ausbau von Datenzentren im Namen von “KI”

Beim weltweiten Ausbau von Datenzentren im Namen von “KI” handelt es sich um eines der grössten Infrastrukurprojekte der Menschheitsgeschichte. Auch in der Schweiz findet derzeit ein massiver Ausbau von KI-Infrastruktur statt. Im Debattenpapier weiter unten findest du einige Zahlen und Infos über die Grössenordung des Projekts – hier schonmal drei kurze Schlüsselgedanken:

  1. Brandbeschleuniger der Klimakrise: Die derzeit gebauten Datenzentren wie beispielsweise in Beringen bei Schaffhausen werden in Zukunft gewaltige Mengen an Energie und Wasser verbrauchen. Damit ist KI ein Brandbeschleuniger für die Klimakrise.
  2. Machtausbau der Tech Oligarchen: Faschistische Tech-Oligarchen wie Peter Thiel oder Elon Musk treiben den Ausbau von KI-Infrastruktur voran, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen: Massenüberwachung wird massiv ausgebaut und KI-Modelle werden als Waffe in Krieg und Genozid eingesetzt.
  3. Koloniale Ausbeutung: Der massive Ausbau von KI basiert auf der materiellen Ausbeutung des globalen Südens. Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Tantal und Gold werden auf indigenem Boden oder unter prekärsten Bedingungen in Kriegsgebieten abgebaut.

DEBATTENPAPIER ZUR KAMPAGNENSAISON “KI KURZSCHLIESSEN”

Ein Wort zu unserem Standpunkt

Wir befinden uns Zeiten der globalen Unordnung und Neuordnung. Während eine immer weitere Faschisierung und Militarisierung in den imperialen Zentren stattfindet, eskalieren weltweit Gewalt, ökologische und soziale Krisen, Krieg und Genozid. Politische Verantwortung beginnt in diesen Zeiten mit der Erkenntnis, dass nur ein revolutionärer Bruch mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen eine glaubwürdige und kohärente politische Perspektive bietet. Wir richten uns in diesem Debattenpapier entsprechend an all jene, welche sich dieser Aufgabe – unabhängig von der Wahrscheinlichkeit ihres Erfolges – als einzige Möglichkeit zur Erreichung eines guten Lebens für alle annehmen.

Wir sind eine Organisierung von Menschen, welche primär in der Deutschschweiz politisch aktiv sind und mehrheitlich hier sozialisiert und politisiert wurden. Dabei sind wir von der Schweizer und europäischen ökologischen Bewegung des letzten Jahrzehnts und deren Erfahrungen geprägt – sowie von den Widersprüchen, denen die marginale revolutionäre Bewegung in den Zentren ausgesetzt ist.

Bei diesem Papier handelt es sich um einen ersten Entwurf, der zur Debatte freigegeben wird. Es kann kein Anspruch darauf bestehen, dass die Analyse alle Perspektiven der revolutionären Bewegung zufriedenstellt, vielmehr soll uns das Papier zu diesem Zeitpunkt erste Orientierung in der praktischen Strategiebildung gegen das “KI-Projekt” geben. Nach den Zapatistas: “Preguntando caminamos” – fragend schreiten wir voran!

AdA-Prozessgruppe Debattenpapier, Juli 2026

0 | ZUSAMMENFASSUNG

  1. “KI” ist ein undifferenziertes Label für statistische Modelle unterschiedlicher Natur, sowie für eine massive kapitalistische Intervention mit der Funktion, die Herrschaft über die gesamte lohnabhängige Bevölkerung in Krisenzeiten abzusichern – hier das KI-Projekt genannt.
  2. Das KI-Projekt wird vorangetrieben durch ein gesellschaftliches Bündnis aus Tech-Oligarchen und Organisationen und Netzwerken der extremen Rechten mit geografischem Schwerpunkt in den USA.
  3. Das KI-Projekt ist verbunden mit einem Infrastrukturausbau historischen Ausmasses, der gewaltige gesellschaftliche und ökologische Verwüstungen verursacht.
  4. Zivilgesellschaftliche und politische Akteure sind an der Verbreitung und Durchsetzung des KI-Projekts beteiligt. Bei der Popularisierung des Projekts hilft, dass die materielle und politische Dimension von KI-Modellen ausgeblendet wird und diese als etwas Intelligentes und Abstraktes dargestellt werden.
  5. Für eine digitale Infrastruktur, die der Bevölkerung tatsächlich zugute kommt, muss Big Tech und die kapitalistische Produktionsweise, die Big Tech hervorgebracht hat, zerschlagen werden. Mit einer Aufhebung der herrschenden Unterdrückungsverhältnisse sowie der Vergesellschaftung und basisdemokratischen Verwaltung der Ressourcen und Infrastruktur, die heute um das das KI-Projekt organisiert werden, würde ein Grossteil der Anreize wegfallen, die derzeit als Triebkräfte für das Projekt wirken.
  6. Handlungsmöglichkeiten der hiesigen revolutionären Bewegung liegen in einer Aufbauperspektive verbunden mit konkreten Interventionen wie beispielsweise i) narrativ: die Delegitimation des KI-Projekts mittels Kampagnenarbeit und direkter Aktion, ii) koordinativ: den Aufbau einer themenübergreifenden Bewegungsfront gegen Big Tech sowie die Vernetzung von Widerständen um lokale Interventionspunkte, iii) disruptiv: Interventionen in den Bau neuer Datenzentren oder Konfrontation mit Repräsentant*innen von Big Tech, iv) präfigurativ: das Testen und Denkbarmachen von kollektiv verwalteter, ressourcenarmer und dezentraler digitaler Infrastruktur, v) resilient: den Ausbau von von Big Tech unabhängigen Kommunikations-, Organisations- oder Agitationswegen und den Umgang mit zunehmender Überwachung.

1 | WAS IST KI?

“KI”, sogenannte “künstliche Intelligenz”, ist ein unscharf verwendeter Begriff, der von der Benennung spezifischer datenstrukturierender Algorithmen bis hin zu einem gesellschaftlichen und politischen Projekt reicht. Das Label “KI”, das marketingstrategisch aufgebaut und gesellschaftlich popularisiert wurde, verwischt die Grenzen zwischen statistischen Modellen, Automatisierungsprozessen, politischen und ökonomischen Interventionen und materiellen Realitäten der kapitalistischen Ausbeutung. Wir lehnen das Label “KI” als sinnvolle beschreibende Kategorie ab und verwenden dieses lediglich, um auf den herrschenden Diskurs Bezug zu nehmen. In diesem Debattenpapier machen wir der Klarheit halber die Unterscheidung in machine learning models (mlm) und “KI-Projekt”.

1.1 | Machine learning models (“KI-Modelle”)

“Machine learning models” (mlm) sind statistische Modelle, die mit Datensätzen trainiert werden und darin vorhandene Muster ohne explizites Programmieren auf andere Daten anwenden können – mit dem Ziel, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.
Karen Hao, Autorin von “Empires of AI”, schlägt zur Vermittlung eine weitere qualitative Unterscheidung in “Velomodelle” und “Raketenmodelle” vor:

  • „Velomodelle“: Modelle, die mit spezifisch zusammengestellten Datensätzen trainiert und für klar definierte Zusammenhänge angewendet werden. Ein Beispiel dafür sei das Alphafold-System, das die Faltung eines Proteins anhand seiner Aminosäuresequenz vorhersagt.
    Vergleichbare Modelle könnten sinnvoll für spezifische gesellschaftliche Problemstellungen eingesetzt werden und werden aus der Grundsatzkritik dieses Debattenpapiers ausgenommen.
  • „Raketenmodelle“: Diese Modelle werden mit riesigen Datenmengen aus dem Internet trainiert, um auf möglichst breite Fragestellungen angewendet zu werden. Dazu gehört beispielsweise das Modell ChatGPT, das für GPT-3 mit 45 TB strukturierten Textdatensätzen und zusätzlich frei verfügbaren, unstrukturierten Daten aus dem Internet trainiert wurde. Insbesondere diese arbeits-, ressourcen-, daten- und infrastrukturintensive KI-Modelle in der Hand von Big Tech bilden dabei einen Teil des “KI-Projektes”.

1.2 | KI als hegemoniales Projekt (“KI-Projekt”)

Die weitgehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation, die von einem sich formierenden geschichtlichen Block unter dem Namen “KI” mittels Zwang und Zustimmung durchgesetzt wird, bezeichnen wir als “KI-Projekt” (siehe Punkt 2).

2 |  KI ALS HEGEMONIALES PROJEKT 

In diesem Abschnitt benutzen wir den Begriff “geschichtlicher Block”. Ein geschichtlicher Block konstituiert sich dann, wenn eine gesellschaftliche Gruppe im Rahmen eines hegemonialen Projektes durch Bündnisse mit anderen Gruppen ökonomische, politische und kulturelle Macht erlangt – und entsprechend ökonomische Basis und ideologischen Überbau (Kultur, Institutionen, Recht, …) kohärent miteinander verbindet. Der geschichtliche Block ist die Basis für Hegemonie – also die Herrschaft mittels Zustimmung der Beherrschten und Zwang. Dabei ist nicht vorrausgesetzt, dass die Zustimmung umfassend durch aktive Bejahung des Status quo entsteht – auch das Organisieren von Desinteresse und Handlungsunfähigkeit sind Teil davon.

2.1 | Ein geschichtlicher Block formiert sich

i | Ausgangslage

Die neoliberale Hegemonie der letzten Jahrzehnte befindet sich historisch an ihrem Ende. Die Grundzüge des Projekts werden zwar weiterhin mit Zwang und teilweise gegen massiven Widerstand der Bevölkerung durchgesetzt – doch der geschichtliche Block für die neoliberale Hegemonie ist nicht mehr gegeben. Den gesellschaftlichen Rissen, welche die unüberwindbaren Widersprüche des Neoliberalismus hervorgebracht haben, entsprangen diverse linke bis sozialrevolutionäre Bewegungsfronten und Organisierungen. Der Aufstand der Zapatistas 1994 und die Globalisierungsbewegung in den folgenden Jahrzehnten griffen den neoliberalen Konsens ideologisch teils massiv an. Auch die Klimagerechtigkeitsbewegung und die mit ihr verbundenen Politisierung der Zusammenbrüche ökologischer Systeme stellte die kapitalistische Produktionsweise auf ideologischer Ebene teilweise fundamental in Frage.

Die mit diesen Bewegungen verbundenen gesellschaftlichen Gruppen erreichten im Ringen um gesellschaftliche Hegemonie teils relevante (hauptsächlich) ideologische Erfolge, schafften es jedoch nicht, sich langfristig durchzusetzen. Begünstigt durch die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse und der Unterstützung durch Teile der herrschenden Klasse erlebten hingegen rechte bis rechtsextreme Kräfte einen massiven langfristigen Aufschwung und konnten gesellschaftliche Kräfteverhältnisse zu ihren Gunsten verschieben.

Dies ist die Ausgangslage, in welcher wir die Bildung eines neuen geschichtlichen Blockes mit massiven Möglichkeiten zur Intervention beobachten.

ii |KI als kapitalistische Intervention

Unter dem Label “KI” verlaufen derzeit eine Reihe von Massnahmen, die darauf abzielen, die Produktionsverhältnisse und die Unterdrückungsmechanismen der gesamten lohnabhängigen Bevölkerung in Zeiten der Krisen neu zu strukturieren und abzusichern. Dazu gehören zum Beispiel:

  • die Schaffung von physischer Infrastruktur – es handelt sich beim derzeitigen globalen Ausbau von Datenzentren um eines der grössten Infrastrukturprojekte der Menschheitsgeschichte (in der Schweiz sind davon insbesondere die Regionen Zürich und Schaffhausen betroffen)
  • der Einsatz von KI-Modellen als Produktionsmittel (durch die Verlagerung der Kontrolle über fachspezifisches Wissen von Arbeitenden zu Besitzenden von KI-Modellen)
  • Eingriffe in Produktionsverhältnisse mittels KI-Modelle (z.B. durch die Schwächung der Verhandlungsmacht von Arbeitenden im globalen Norden in gewissen Sektoren durch Verlagerung der Arbeit zu Klick-Arbeitenden im globalen Süden, die unter prekären Bedingungen KI-Modelle trainieren)
  • die Erlangung von kommunikativer und kultureller Hegemonie (z.B. durch den Einsatz von KI-Modellen auf Informations- und Unterhaltungsplattformen)
  • den massiven Ausbau von Überwachung, politischer Verfolgung und Möglichkeiten zur Ausübung von Gewalt mittels KI-Modellen (z.B. Palantir oderLavender)

“KI” muss als massive kapitalistische Intervention verstanden werden – in Form eines sogenannten hegemonialen Projektes, hier das KI-Projekt genannt.

iii |Ein gesellschaftliches Bündnis aus Tech-Oligarchen und der extremen Rechten

Hinter dem KI-Projekt steht ein gesellschaftliches Bündnis der Kapitalfraktion Big Tech mit Organisationen und Netzwerken der extremen Rechten mit geografischem Schwerpunkt in den USA, welches das Projekt vorantreibt. Bei den Exponenten von Big Tech, den Tech-Oligarchen, handelt es sich im Kern lediglich um etwa 10 Personen. Im gesellschaftlichen Bündnis hinter dem KI-Projekt übernehmen einige von ihnen die Rolle eines ideologischen Zentrums für das Bündnis (z.B. Peter Thiel oder Curtis Yarvin), die Rolle von Verstärkern (z.B. Elon Musk) oder Mitläufern (z.B. Mark Zuckerberg) ein (siehe capulcu – kritische Textreihe zu künstlicher Intelligenz).

Den ideologischen Kitt des gesellschaftlichen Bündnisses bildet eine heterogene Weltanschauung, die sich aus Elementen der folgenden Ideologien zusammensetzt:

  • Dark Enlightenment lehnt sozial progressive Entwicklungen hin zu mehr Freiheit und partizipativer Entscheidungsfindung ab und befürwortet stattdessen eine Rückkehr zu einem feudalen Herrschaftssystem, in dem Ungleichheiten gesetzlich verankert sind. Bestehende Machtstrukturen sollten formell anerkannt und Eigentumsrechte an die aktuelle politische Macht angepasst werden. In der Praxis bedeutet dies, dass Konzerne und ihre Chefs (Tech-Oligarchen, CEOs usw.), nach den Prinzipien des wirtschaftlichen Libertarismus und der Eugenik offen über den Rest der Bevölkerung herrschen sollten.
  • Akzelerationismus ist eine Ideologie der ungebremsten “Beschleunigung”, bei welcher der Zusammenbruch von Gesellschaften und der Mitwelt bewusst als Folge hingenommen wird. Er geht davon aus, dass Kapitalismus und technologische Entwicklung so schnell wie möglich und ohne Einschränkungen verbreitet werden müssen, um einen radikalen gesellschaftlichen Wandel zugunsten der Kapitalfraktion Big Tech und ihren Exponenten herbeizuführen.
  • Longtermismus, Eugenik und Pronatalismus sind sich ergänzende rassistische, antifeministische und ableistische Ideologien, welche die Überlegenheit und den Wunsch nach einer Selektion gewisser Menschen in den Vordergrund stellen. Zudem dienen diese zur Erhaltung der White Supremacy.

2.2 | Materielle Hintergründe des KI-Projekts

Der Begriff “künstliche Intelligenz” erweckt den Anschein einer immateriellen, abstrakten Entität. Dies ist nicht der Fall – folgende materielle Aspekte bilden die Grundlage für KI-Modelle und das KI-Projekt als Ganzes:

  • Seltene Elemente: KI-Modelle erfordern Hochleistungschips, die heute von NVIDIA in den USA entwickelt und von TSMC in Taiwan mit Belichtungsanlagen von ASML in den Niederlanden gefertigt werden. Die Herstellung dieser Chips erfordert verschiedene seltene Elemente (Kupfer, Lithium, Aluminium, Nickel, Kobalt usw.). Es handelt sich dabei endliche Ressourcen, die oft unter sklavenähnlichen Bedingungen abgebaut werden.
  • Wasser: Der Wasserverbrauch von KI-Modellen setzt sich zusammen aus dem Wasserverbrauch vor Ort zur Kühlung der Server in Datenzentren, dem Wasserverbrauch der Kraftwerke, die Datenzentren mit Strom versorgen, sowie dem Wasserverbrauch während des Herstellungsprozesses von Hochleistungschips. Grosse Datenzentren können bis zu 20 Millionen Liter Wasser pro Tag verbrauchen, was dem Verbrauch einer Stadt mit 10.000 bis 50.000 Einwohnenden entspricht. Im Zusammenhang mit regionaler Trockenheit, die durch die Klimakrise befeuert wird, wird dies auch in der Schweiz zu Verteilungskonflikten führen. Das derzeit im Bau befindliche Datenzentrum in Beringen im Kanton Schaffhausen liegt beispielsweise in einer Region, in welcher aufgrund des prognostizierten Wassermangels in naher Zukunft kein konventioneller Ackerbau mehr betrieben werden kann.
  • Energie: Der Betrieb von Datenzentren benötigt gewaltige Mengen an Energie. Für das Jahr 2030 soll 15 Prozent des Schweizer Stroms für Datenzentren verwendet werden – das entspricht in etwa dem Verbrauch des Kantons Zürich. Dies läuft der gesellschaftlichen Notwendigkeit zur geplanten, basisdemokratischen Senkung des Gesamtstromverbrauchs im Zusammenhang mit der Klimakrise zuwider. Zudem sollen für die Deckung des massiven Stromverbrauchs erneut Atomkraftwerke gebaut werden können, was mit weiteren gesellschaftlichen Risiken verbunden ist.
  • Arbeit: Die Arbeit entlang des gesamten Produktionsprozesses für die digitale und physische Infrastruktur von KI-Modellen verläuft grösstenteils unsichtbar. Dies betrifft beispielsweise den Rohstoffabbau unter oft sklavereiähnlichen Bedingungen in Kriegsgebieten für die Herstellung von Hochleistungschips oder das Training, die Wartung und die Weiterentwicklung von KI-Modellen, die von Klick-Arbeiter*innen unter prekären Bedingungen und oft im Globalen Süden stattfindet. Diese reale Arbeit von Millionen von Menschen wird schliesslich als “KI” vermarktet. Gleichzeitig tragen Entlassungen im Namen von KI dazu bei, die “industrielle Reservearmee” (ein flexibel einsetzbarer Pool an arbeitslosen Menschen) zu erweitern und das Lohnniveau verschiedener Teile der arbeitenden Bevölkerung zu senken.
  • Daten: Für das Training von verschiedenen KI-Modellen werden gigantische Mengen an Daten benötigt. Diese werden aus verschiedenen Quellen extrahiert – ob von Wikipedia, aus Dating Apps, oder aus polizeilichen Fahndungsbildern. Dabei findet eine laufende Aneignung von gesellschaftlich geleisteter Arbeit statt. Zudem reproduzieren Datenauswahl und Klassifikationssysteme herrschende Verhältnisse. Die gewaltige Datenmenge für KI-Modelle ist Treiber für den massiven weltweiten Ausbau von Datenzentren und damit verbunden einem der grössten Infrastrukturprojekte der Menschheitsgeschichte.

Die Kapitalfraktion Big Tech organisiert ein gewaltiges Ausmass an Ressourcen und Infrastruktur für KI-Modelle und das KI-Projekt als Ganzes. Dies wäre ohne deren massive Kapitalkonzentration, die Aneignung von Gemeingütern, eine kontinuierliche kapitalistische und koloniale Ausbeutung und ökologische Zerstörung undenkbar.

2.3 | Gesellschaftliche Durchsetzung des KI-Projekts

Die Durchsetzung des KI-Projekts verläuft auf zwei Ebenen – einerseits mittels Zustimmung der Zivilgesellschaft und andererseits durch Zwang der politischen Gesellschaft.

Auf der Ebene der Zivilgesellschaft in der Schweiz führt der KI-Hype, der mitunter durch bewusste Kampagnenarbeit erzeugt wurde, beispielsweise zu einer massiven Ansiedlung von Tech-Niederlassungen (Zürich hat eine höhere Dichte an Tech-Konzernsitzen als das Silicon Valley) oder zur Expansion von Forschungsbereichen, die sich mit KI-Modellen beschäftigen (z.B. das KI-Zentrum der ETH Zürich), die einen entsprechenden Hype wiederum verstärken. Kulturell wird Zustimmung für das KI-Projekt mithilfe von breit verfügbaren Tools wie ChatGPT oder mit KI-Trends (z.B. Tralalero Tralala) abgesichert. Der Marketingname “künstliche Intelligenz” hilft bei der Verbreitung insofern, als dass die materielle und politische Dimension des KI-Projekts komplett verschwiegen wird und Modelle zu etwas “Intelligentem” erklärt werden.

Auf Ebene der politischen Gesellschaft (Regierung, Polizei, Justiz) verläuft die Durchsetzung des KI-Projekts unter anderem im Namen des sogenannten “Kampfes gegen die Kriminalität”. Im Kanton Zürich sollen präventiv Verkehrsdaten gesammelt werden, die mit KI-Modellen ausgewertet werden können. Im Zusammenhang mit der disruptiven Gaza-Demo in Bern vom Oktober 2025 wurde gefordert, dass die Polizei künftig KI-Modelle zur Aufstandsbekämpfung einsetzen dürfen soll. Weiter werden KI-Modelle von Staaten resp. dem militärisch-industriellen Komplex in Krieg und Genozid getestet und eingesetzt, wie das beim Genozid in Gaza oder bei der Bombardierung des Irans durch die USA der Fall war. 

3 | INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN UND REVOLUTIONÄRE PERSPEKTIVEN

Das KI-Projekt des Bündnis zwischen der Kapitalfraktion Big Tech und Organisationen und Netzwerken der extremen Rechten steht den Interessen von uns allen fundamental entgegen. Damit meinen wir die gesamte lohnabhängige Bevölkerung (Bevölkerung, die von Lohnarbeit direkt oder indirekt abhängig ist) und unseren ökologischen Kontext (Ökosysteme, Klimasysteme, Interaktionen mit anderen Lebewesen). Das KI-Projekt strukturiert themenübergreifend die verschiedenen Kampffronten der Bewegung – ob Arbeitskämpfe, Kämpfe gegen Überwachung und Repression, feministische, antikoloniale, antiimperialistische, antirassistische, antifaschistische, antikapitalistische und ökologische Kämpfe. Der Widerstand der Bewegung muss entsprechend ebenfalls themenübergreifend stattfinden.

Mit einer Aufhebung der derzeitigen Unterdrückungsverhältnisse sowie der Vergesellschaftung und basisdemokratischen Verwaltung der Ressourcen und Infrastruktur, die heute um das das KI-Projekt organisiert werden, würde ein Grossteil der Anreize wegfallen, die derzeit als Triebkräfte für das Projekt wirken. Eine digitale Infrastruktur, die der Bevölkerung tatsächlich (auch in Form ressourcenschonender mlm) zugute kommt, muss ausserhalb von Big Tech liegen. Sie muss mit basisdemokratischer Kontrolle unter besonderem Einbezug der Bedürfnisse von betroffenen Personen sowie unter Berücksichtigung des ökologischen Kontextes aufgebaut werden. Dafür muss Big Tech und die gesamte kapitalistische Produktionsweise, die Big Tech hervorgebracht hat, von einer massiv erstarkten revolutionären Bewegung zerschlagen werden. 

Die entsprechende Aufbauperspektive mit dem Ziel, die Organisation der herrschenden Gruppen insgesamt zu desorganisieren und eine basisdemokratische Organisationsweise jenseits von kapitalistischer Ausbeutung zu etablieren, findet auf verschiedenen organisatorischen Ebenen statt: 

  • Revolutionäre Bewegung: Organisationen, Netzwerke und Einzelpersonen, die sich an einem Bruch mit Kapitalismus über einen Zusammenstoss mit den herrschenden Gruppen und ihren Organisationsformen orientieren.
  • Bewegungsfront: Temporäre oder langfristige sowie formelle oder informelle Bündnisse diverser Organisationen, Netzwerke und Einzelpersonen innerhalb der revolutionären Bewegung, die, von einem spezifischen gesellschaftlichen Riss aus durch gemeinsame Koordination eine Front bilden. Diese Front tritt nach aussen als Bewegung im weiteren Sinn auf.
  • Organisation: Eine Gruppe, die sich über gemeinsame Ziele, Arbeitsteilung und Mitgliedschaft definiert, auch wenn dies teilweise nicht explizit ausformuliert wird.

Wir sehen gemäss den movement capabilities die untenstehenden Handlungsmöglichkeiten auf genannten organisatorischen Ebenen gegenüber dem KI-Projekt der herrschenden Gruppen:

  • Narrativ: Delegitimation des KI-Projekts (Aufzeigen der Materialität und Unterdrückungsfunktion) und der dahinterliegenden Ideologien – mit einem Fokus auf Machtausbau von Big Tech, Produktionsverhältnisse und einer Distanz zu Konsumkritik
  • Koordinativ: Themenübergreifende Bewegungsfront gegen Big Tech aufbauen, betroffene und politisch aktive Gruppen entlang der gesamten Ausbeutungs- und Unterdrückungsgeografie verbinden (z.B. von Mining betroffene Personen, Klick-Arbeiter*innen, Anwohnende von Datenzentren, Gruppen in der Nähe von Konzernsitzen)
  • Disruptiv: Interventionspunkte entlang der Ausbeutungs- und Unterdrückungsgeografie nutzen – z.B. Streik von Klick-Arbeiter*innen. Auch die physische Infrastruktur und individuelle Exponenten von Big Tech bieten Gelegenheiten zur Unterbrechung von Abläufen und der öffentlichen Konfrontation – die disruptive Wirkung erhöht sich im Zusammenspiel mit der koordinativen Fähigkeit der Bewegung.
  • Präfigurativ: Dezentrale, infrastrukturarme, transparente und möglichst kollektiv betriebene digitale Infrastrukturen testen (um eine alternative digitale Infrastruktur gesellschaftlich denkbar zu machen – ohne Anspruch darauf, eine gesellschaftliche Alternativinfrastruktur aufzubauen, da dies im Bezug auf Ressourcen unhaltbar wäre), Räume für den Bewegungsaufbau schaffen
  • Resilienz: Von Big Tech unabhängige Kommunikations-, Agitations- und Organisierungswege stärken (beispielsweise analoge oder via von Big Tech unabhängigen sozialen Medien z.B. Mastodon), Umgang mit zunehmender Überwachung mittels KI-Modelle finden

QUELLEN

Barfuss, T., & Jehle, P. (2018). Antonio Gramsci zur Einführung. Junius Hamburg.

Brandsma, S & Camargo J. (2026). Algorithms of collapse. What to do about AI and Automation.

Camargo, J. (2026, February 25). What to do about AI? – strategic questions and movement interventions – All In: A Revolutionary Theory to Stop Climate Collapse. All In: A Revolutionary Theory to Stop Climate Collapse. https://all-in.now/article/what-to-do-about-ai-strategic-questions-and-movement-interventions-joao-camargo/

capulcu. (2025). Kritische Textreihe zu Künstlicher Intelligenz. Noblogs.org. https://capulcu.noblogs.org/neue-texte/band-vi-kritik-an-ki/

Crawford, K. (2022). Atlas of AI: Power, politics, and the planetary costs of artificial intelligence. Yale University Press.

Crawford, K. (2026). Dartmouth’s AI summer and what came next. Science, 392(6805), 1340–1342. https://doi.org/10.1126/science.aei0476

Hildebrandt, F. K. (2026, April 10). Gastbeitrag: Es gibt keine linke KI. communia. https://communia.de/gastbeitrag-es-gibt-keine-linke-ki/

Keller, T., & Albisser, J. S. U. (2025b, June 25). KI treibt Rechenzentren-Boom in der Schweiz. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). https://www.srf.ch/news/wirtschaft/digitale-infrastruktur-stille-stromfresser-immer-mehr-rechenzentren-in-der-schweiz

Schaffhausen24, O. B. K. S. (2022, June 30). Pilotprojekt «Wasserzukunft Klettgau» abgeschlossen. Schaffhausen24. https://schaffhausen24.ch/articles/139996-pilotprojekt-wasserzukunft-klettgau-abgeschlossen

s.n. (2026, April 8). KI-Gesichtserkennung: Die künftige Helferin der Polizei? Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). https://www.srf.ch/news/schweiz/nach-ausschreitungen-in-bern-ki-gesichtserkennung-die-kuenftige-helferin-der-polizei

Environmental, & Energy Study Institute (EESI). (n.d.). Data centers and water consumption. Eesi.org. Retrieved May 8, 2026, from https://www.eesi.org/articles/view/data-centers-and-water-consumption

(2026, June 5). https://www.republik.ch/2026/06/05/europa-soll-aufhoeren-das-silicon-valley-zu-kopieren

Gemäss den Bewegungsüberlegungen im Debattenpapier gibt es verschiedene Möglichkeiten und Orte, in das “KI-Projekt” von Big Tech und seinen faschistischen Exponenten zu intervenieren. Einige Beispiele findest du in unserem (unvollständigen) KI-Atlas.

SAISON 1: Autoindustrie entwaffnen!


Grosse Teile der Zivilgesellschaft haben im im Jahr 2024 Nein zu einem grossen Autobahnprojek gesagt. Die Autoindustrie und ihre Verbündeten interessiert das nicht: Konzernchefs, Politiker*innen und Überreiche treiben den Strassenbau weiter voran. Damit zerstören sie aktiv unsere Lebensgrundlagen – über Klimakrise, Artensterben und Landraub.

Wir organisieren uns für einen gemeinschaftlichen Umgang mit Land und eine zugängliche Mobilität für alle. Deshalb riefen wir zu einer “Saison” des kreativen Protests gegen den Landraub der Autoindustrie auf – mit dem Höhepunkt einer vorübergehenden Waldbesetzung gegen das Strassenprojekt in Aarwangen-Langenthal.